Blogtour 1. Station: Buchvorstellung und Leseprobe

Auf dem Blog der Autorin Annette Eickert fand die erste Station meiner Blogtour statt. Hier gab es die Buchvorstellung und die Leseprobe:

DämonenfluchBuchvorstellung

“Irgendetwas stimmte nicht. Sie hätte ihn nicht sehen dürfen. Er war unsichtbar, zumindest für Menschen. Tiere und andere Wesen aus den Parallelwelten konnten ihn wahrnehmen. Aber nicht sie.“
Sariel hat lange gebraucht, um über den Tod ihrer Eltern hinwegzukommen. Doch nun, zwei Jahre später, beschließt sie, dass es an der Zeit ist, wieder ins Leben zurückzukehren. Gerade dann trifft sie auf Alexander, einem Dämon, zu dem sie sich auf unerklärliche Weise hingezogen fühlt. Doch sie ahnt nicht was er ist und in welchem Auftrag er handelt.

Dämonenfluch ist die überarbeitete und verlängerte Gesamtausgabe des Dämonenfluch-Serials das in fünf Folgen bereits erschein:

Teil 1 “Die schwarze Hostie”
Teil 2 “Das Siegel des Salomo”
Teil 3 “Der Kalari Ring”
Teil 4 “Dschinnanyar”
Teil 5 “Der Rat der Sechs”

Leseprobe

Niemand weiß genau, wie sie entstehen, die Ifrit, auch Dämonen oder Totengeister genannt, deren Element das Feuer ist.

Man sagt, die Ifrit erscheinen als Rauchsäule am Ort eines Mordes.

Mag sein.

Sicher ist, sie bewegen sich so lautlos wie Rauch.

Sicher ist, Menschen können die Ifrit nur dann sehen, wenn sie es ihnen erlauben.

Sicher ist, die Ifrit wandeln unter den Menschen, um Morde zu rächen.

1

Irgendetwas stimmte nicht. Sie hätte ihn nicht sehen dürfen. Er war unsichtbar, zumindest für Menschen. Tiere und andere Wesen aus den Parallelwelten konnten ihn wahrnehmen. Aber nicht sie.
Sekunden später musste er sich seinen Irrtum eingestehen.
„Sind Sie ein Freund meines Onkels?“, sprach sie ihn an.
Langsam wandte er sich zu ihr um. Noch während sein Körper diese Bewegung vollführte, sorgte er dafür, auch für die übrigen Menschen sichtbar zu werden. Es hätte seltsam gewirkt, hätte sie ihre Worte ins Leere gerichtet.
„Nein, nicht direkt. Eher ein entfernter Bekannter“, versuchte er, ihrer Frage auszuweichen. Dabei bedachte er sie mit einem Lächeln, das darauf ausgelegt war, ihre Aufmerksamkeit auf andere, erfreulichere Dinge zu lenken. Er kannte seine Wirkung auf Menschen, insbesondere Frauen. In welchem Zeitalter er sich auch bewegte, er erfüllte immer die gängigen Vorstellungen von äußerer Schönheit. Was weitgehend daran lag, dass er eine leere Leinwand war, auf die die Menschen ihre Vorstellungen projizieren konnten.
In diesem Fall allerdings schien seine Taktik nicht aufzugehen. Anstatt sein Lächeln zu erwidern, bedachte sie ihn mit einem Stirnrunzeln.
„Wie heißt du?“, ging sie zu der vertrauteren Anrede über, nachdem sie sein Gesicht gesehen und ihn auf ihr Alter, also Anfang zwanzig , geschätzt hatte. Ganz so, wie Alexander es gewollt hatte, trotzdem war ihre Neugierde irritierend. Er beschloss, höflich zu bleiben, sie sich so schnell wie möglich vom Hals zu schaffen und dann das zu tun, weshalb er gekommen war.
„Alexander“, antwortete er kurz, um sofort mit einer angedeuteten Verbeugung den Rückzug anzutreten. „Es war mir ein Vergnügen, dich kennengelernt zu haben, aber jetzt muss ich leider gehen.“
„Warte“, rief sie ihm nach, aber er war schon wie Rauch zwischen den Menschen verschwunden. In dem Gedränge, das in dem Garten herrschte, war es ein Leichtes, ungesehen zu entkommen. Aber das Zusammentreffen hatte ihn verstört.

Es durfte nicht sein.

Wie war es ihr möglich gewesen, ihn zu sehen?

In diese Grübeleien versunken, bemerkte er nicht, wie er den Garten verließ und das Haus betrat. Er fand sich plötzlich in einer Halle wieder, die die Ausmaße eines Fußballfeldes hatte. Der Fußboden war mit alten – und soweit er es beurteilen konnte -, antiken Mosaiken ausgelegt. In der Mitte des imposanten Raumes hing ein riesiger Kronleuchter. An den Wände protzten die Gemälde alter Meister. Sie zogen Alexander in ihren Bann. Er liebte Kunst und so ließ er es zu, sich für einige Minuten lang in eine andere Welt entführen zu lassen.
„Hier also ist der Tizian!“ Gegen seinen Willen war er beeindruckt. Madonna mit dem Kind und den Heiligen Lukas und Katharina war eines der wenigen großformatigen Gemälde des italienischen Künstlers, die sich in Privatbesitz befanden. Vor einigen Wochen hatte ein europäischer Privatsammler das Kunstwerk bei Sothebys für 12,2 Millionen Euro ersteigert. Seine Identität war bisher unbekannt.
Nur wenige Schritte entfernt hing ein Chagall. Eigentlich ein Stilbruch, aber seltsamerweise nicht störend. Dem Chagall folgte ein Rubens, dann ein Dali, danach Klimt. Diese chaotische Anordnung der Werke war … interessant. Sogar mehr als das … faszinierend.
Aber das war nicht wichtig. Mit einem Schulterzucken wandte er sich von der Ausstellung ab. Der Gastgeber des opulenten Gartenfestes, mochte ein begnadeter Kunstkenner sein, ein Genie, wenn es darum ging, seine Sammlung zu präsentieren. All das aber verblasste hinter seinem anderen Talent: der Planung des perfekten Mordes. Perfekt nach den Maßstäben der Menschen, denn die Tat war bisher ungesühnt geblieben. Niemand ahnte etwas von dem dunklen Geheimnis des Hamburger Bankers.

Alexander war hier, um den Blutpreis einzufordern.

Heute. Am Abend des Sommernachtsfestes, das Torsten Halder alljährlich in seiner Villa in Blankenese veranstaltete. Die Crème de la Crème der Hamburger Gesellschaft und einige handverlesene Prominente waren die Glücklichen, die an diesem Ereignis teilnehmen durften. Alexander war nicht eingeladen, aber das war auch nicht notwendig, konnte er doch überall erscheinen. Einer der Vorteile, die ein Ifrit genoss. Wenn nötig, konnte er sich auflösen und an einem anderen Ort wieder auftauchen. Unsichtbar … Warum aber hatte sie ihn entdeckt?
Ohne es zu wollen, schweiften seine Gedanken zu ihr ab. Sariel Halder. Ein Name wie aus einem Märchen. Das Bild der langen rotbraunen Haare und der traurigen, ernsten Augen wollte ihn nicht loslassen. Sie war schön. Selbst gemessen am Maßstab seiner Art war sie schön.
Es geschah schon wieder: Er war unkonzentriert. Was mindestens ebenso ungewöhnlich war, wie die Tatsache, dass er von einer Sterblichen bemerkt wurde.

Eine seltsame Nacht.

Erneut wanderte sein Blick durch den Raum. Eigentlich sollte er seine Aufgabe längst erledigt haben, aber sein mangelnder Fokus hielt ihn davon ab. Wenn er einen Mord rächte, so musste diese Rache perfekt sein. Das gelang nur, wenn er sich mit jeder Faser seines Wesens auf sein Tun konzentrierte.
Torsten Halder, der aus einer alten, ehrwürdigen Hamburger Bankerfamilie stammte, würde sterben.

Aber nicht heute.

Ohne davon zu wissen, hatte sich die Spanne seines Lebens soeben um einige Tage verlängert. Alexander brauchte Zeit, um darüber nachzudenken, wie der Hamburger Banker sterben würde, nachdem das heutige Vorhaben gescheitert war.

Er hatte den Tod verdient. Mehr als verdient. Einen flüchtigen Augenblick lang überlegte Alexander, ob Halders Nichte ebenfalls dieser Meinung sein würde.

2

Einige Sekunden lang stand sie regungslos inmitten der Menschen. Sie war es nicht gewöhnt, dass sie gleich zu Beginn eines Gesprächs einfach stehen gelassen wurde.
Er hieß Alexander. Und er sah verdammt gut aus, schien aber nicht viel von Höflichkeit zu halten. Sariel hätte gerne länger mit ihm gesprochen, was ungewöhnlich für sie war, denn in letzter Zeit ging sie Männern aus dem Weg. Aber sein offensichtliches Desinteresse hatte ein Gefühl der Sicherheit in ihr erweckt. Ein verspätetes Unbehagen kroch in ihr hoch. Er musste gedacht haben, sie wollte etwas von ihm! Was, wenn er …?
Mit einem Schulterzucken brach sie diesen Gedankengang ab. Am besten wäre es, sich ebenfalls zurückzuziehen. Sie hatte keine Lust, unter all den Fremden herumzustehen und so zu tun, als amüsierte sie sich. In Wahrheit fühlte Sariel sich unbehaglich, fehl am Platz, und wäre nur zu froh gewesen, sich in die Sicherheit und Abgeschiedenheit ihrer Räume flüchten zu können. Sie wünschte, ihr Onkel hätte nicht auf ihrer Anwesenheit bestanden.
„Es wird dir gut tun, Sariel. Du gehst zu wenig unter die Leute“, hatte er gesagt. Er hatte recht. Obwohl der Tod ihrer Eltern schon zwei Jahre zurücklag, war sie noch immer nicht darüber hinweg. Verkroch sich lieber in ihr Schneckenhaus, als unter Menschen zu sein.
Sie sollte loslassen. Aber es war so verdammt schwer.
Eine einzelne Träne löste sich. Glitt an ihrer Wange hinab und hinterließ eine silberne Spur. Mit einer ungeduldigen Handbewegung wischte Sariel den Beweis ihrer Trauer ab.
Es war lächerlich. Peinlich … Und außerdem würden ihre Eltern wünschen, dass sie glücklich war.
Mit einem tiefen Seufzer drehte sie sich um, versuchte mit der Dunkelheit zu verschmelzen. Niemand sollte bemerken, wie sie sich davonstahl. Für heute hatte sie lange genug, die unbekümmerte, glückliche Sariel gemimt. Außerdem war die Abgeschiedenheit ihrer Räume besser, als die hoffnungsfrohen Annäherungsversuche der Mitgiftjäger zu ertragen, die seit Kurzem Interesse an ihr bekundeten.
Sariel Halder war reich. Und jung. Und, wenn man Forbes glauben sollte, eine der besten Partien des europäischen Geldadels.

Toll!

Seit dieser Artikel herausgekommen war, konnte sie sich vor dem Interesse der männlichen Bevölkerung kaum noch retten. Zu einer anderen Zeit hätte Sariel sich darüber amüsiert. Jetzt aber sehnte sie sich nach Einsamkeit. Trotz dieses Gedankens ertappte sie sich dabei, wie sie die Menge nach dem Mann absuchte, der sich nicht für sie zu interessieren schien.
Er war fort. Was gut war. Sie wollte keine belanglose Konversation führen. Mit einem ärgerlichen Seufzer versuchte sie, das Gefühl zu unterdrücken, das in ihr aufstieg. Es fühlte sich an … wie Enttäuschung. Was war nur mit ihr los? Sie hatte kein Interesse …

„Ich hatte schon befürchtet, dich nicht mehr zu finden.“ Die Stimme beschwor ein Bild von schwarzem Samt herauf. Eine seltsame Klangfarbe für einen Mann. Bevor sie sich umdrehte, wusste sie, wer sie angesprochen hatte. Der Unbekannte, nach dem sie vor wenigen Sekunden die Menge abgesucht hatte.
„Nein … ich … Ich wollte gerade gehen.“ Sariel wurde heiß. Innerlich verwünschte sie ihr Gestammel ebenso wie ihr rot glühendes Gesicht. Sie wusste es einfach, ihre blasse Haut gab jedes Gefühl preis.
„Wie schade. Ich wollte mich für mein ungehobeltes Benehmen entschuldigen. Es war unverzeihlich …“
Abwehrend hob Sariel die Hand. „Du bist mir keine Erklärung schuldig.“
Sein Blick ließ sie verstummen. Fast kam es ihr vor, als könne er bis in ihre Seele vordringen. Seine Augen waren schwarz. Hypnotisierend. Dann beugte er sich ein wenig vor und nahm mit einer fließenden Bewegung Sariels Hand. Wie eine Feder streiften seine Lippen über ihre Haut. Die Berührung war leicht, kaum wahrnehmbar. Trotzdem beschleunigte sich ihr Herzschlag.
„Ich muss … ich muss jetzt wirklich gehen.“ Verwirrt schob Sariel eine Haarsträhne zurück, trat einen Schritt nach hinten und drehte sich um. Verschwand in der Menge. Kurze Zeit später befand sie sich in ihrem Zimmer, lehnte mit dem Rücken gegen die Tür und fragte sich, was zum Teufel mit ihr los war.

Ein Handkuss! Handküsse waren seit Jahrzehnten, wahrscheinlich seit Jahrhunderten aus der Mode. Warum hatte er sich zu einer solchen Geste hinreißen lassen? Aus irgendeinem Grund bewirkte Sariel Halders Nähe, dass er nicht klar denken konnte. Das war schlecht. Sehr schlecht. Alexander war über hundert Jahre alt. In dieser Zeit hatte er ungezählte Morde gerächt. Jedes Mal war er kalt, besonnen und fokussiert gewesen. Heute aber verhielt er sich wie jeder andere hirnlose Trottel, dem eine Frau gefiel.
Anstatt sich in den Mantel seiner Unsichtbarkeit zu hüllen, verharrte er und dachte über die Begegnung nach. Sie war eine seltsame Frau, anders als die Menschen, mit denen er sonst zu tun hatte. Über ihrem Wesen lag etwas Ätherisches, fast so, als könne sie sich ebenfalls in Rauch auflösen.

Die Präsenz eines anderen Menschen unterbrach seine Gedanken. Trotz der Tatsache, dass er sich inmitten unzähliger Gäste befand, war es eine bestimmte Person, deren Gegenwart in sein Bewusstsein kroch.

Torsten Halder.

Wie ein schwarzer Schatten breitete sich seine Aura über der Terrasse aus. Winzige Nadelstiche schienen Alexanders Energiefeld zu durchbrechen. Noch bevor er reagieren konnte, überwältigte ihn der Gedanke, dass es zu spät war. Sein Körper fühlte sich mit einem Mal an, als sei er in ein Spinnennetz verstrickt. Zwang ihn, in Bewegungslosigkeit zu verharren, obwohl sich jede Faser seines Wesens danach sehnte, sich in Rauch aufzulösen.
Arroganz. Arroganz und Dummheit waren die größten Feinde eines Ifrit. Er war wie ein Tölpel in eine Falle gestolpert, deren Vorhandensein ihm entgangen war. Und das nur, weil eine Frau ihn abgelenkt hatte.
Zu der langen Liste der Fehler, die Alexander an diesem Tag begangen hatte, gesellte sich ein weiterer. Er hatte Torsten Halder unterschätzt. Ihre Blicke kreuzten sich, Halder deutete eine knappe Verbeugung an. Ein Lächeln umspielte seine Lippen. Mit einem Schlag traf Alexander eine Erkenntnis. Sein Gegner wusste genau, warum er hier war. Und schlimmer noch, er hatte Vorkehrungen getroffen.
Alexander kippte nach vorne. Dunkelheit umfing ihn, senkte sich über seine Gedanken.

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