Küss niemals deinen Ex – Leseprobe

Cover_DeinEx-7Es war halb zwölf, als ich im E!, seit ewigen Zeiten einer der bekanntesten Nachtclubs von Ibiza, ankam. Wie immer war Frau Meisel effizient und schnell, so kam es, dass ich nur einen Tag nach meiner Ankunft in Frankfurt bereits auf Ibiza eintraf.
Noch war der Club fast leer, denn es war noch zu früh für die Nachtschwärmer.
Einige wenige Gäste bevölkerten die Tanzfläche, andere hingen an der Bar oder saßen an den kleinen Tischchen, allzu viel aber war unter dem freien Himmel, der sich über der Tanzfläche spannte, nicht los. Ab halb eins füllte sich der Laden, bis er um zwei Uhr brechend voll war, der Discobeat noch immer unverdrossen aus den Lautsprechern dröhnte und ich schon mindestens drei Dealern gesagt hatte, dass ich kein Interesse an ihren Pillen hatte. Anscheinend sah ich nicht glücklich oder nicht „abgespaced“ genug aus, denn das waren die einzigen Männer, die meinen Kontakt suchten.
Irgendwann gegen drei Uhr hatte ich genug und drängelte mich zum Ausgang durch. Das war gar nicht so einfach, denn mittlerweile waren auch die letzten Partygäste angekommen. Ich musste mich mit Ellbogengewalt durchboxen, wurde übel von der Seite angestoßen und wollte mich gerade zu dem Kerl umdrehen und schimpfen, als ich ihn sah. Einen blonden Wuschelschopf und ein markantes Profil. Thorsten Hermes!
Er war nicht weit von mir entfernt, aber zu ihm durchzukommen dauerte Ewigkeiten. Endlich stand ich dicht vor ihm, dem Mann, dem ich meine Ibizareise zu verdanken hatte. Er lehnte an der Bar und versuchte eine dunkelhaarige Schöne zu bezirzen, die mit leerem Blick an ihrem Drink nippte.

Ich trat neben ihn, stupste ihn an und sagte: „Hallo.“
Der Typ schien weder etwas zu spüren noch zu hören, denn er schaute weiterhin die Dunkelhaarige an.
„Süße, wie wär’s mit einem Glas Champagner?“ Leider war die Frage nicht an mich, sondern an die Andere gerichtet. Ohne etwas zu erwidern, starrte diese die Theke an, als gäbe es einen Schatz zu entdecken.
Noch einmal berührte ich Thorsten am Arm. Langsam drehte er sich zu mir um und musterte mich. Verdammt! Ich hatte es geahnt, aber gehofft ich würde mich täuschen. Wer mich da ansah, war nicht Thorsten Hermes, sondern mein erblondeter Ex-Freund Lex. Unfähig etwas zu sagen, starrte ich ihn an.
„Was ist Süße?“
„Ich bin nicht deine Süße!“, fauchte ich ihn an, ganz wie in alten Zeiten, denn ich hasste diese austauschbaren Kosenamen. Sein Blick klärte sich. Mit einem Mal sah er nicht mehr entspannt und wie auf Drogen aus, sondern hellwach.
„Jana?“
„Ja genau. Jana. Schön, dass du dich an meinen Namen erinnerst!“
„Toll dich zu sehen, aber jetzt ist es gerade … – Später können wir was trinken, okay?“, sagte er mit falschem Lächeln.
Ich schüttelte den Kopf. „Ich bin nicht gekommen, um ein Bier mit dir zu trinken, sondern um dir die frohe Botschaft einer Erbschaft zu überbringen.“
„Eine Erbschaft? Spinnst du?“ Besorgt sah er mich an. „He, sei vorsichtig mit den Pillen, da ist Gott weiß was drin.“
„Lass uns rausgehen, ich muss mit dir reden. Jetzt gleich“, fügte ich noch hinzu, als ich sah, dass er mich wieder abwimmeln wollte.
„Also gut, wenn’s unbedingt sein muss. Bin gleich wieder da Süße“, säuselte er seiner Begleitung zu.
„Vielleicht hättest du sie vor den Pillen hier warnen sollen“, konnte ich mir nicht verkneifen zu sagen.
„Zu spät. Als ich sie sah, war sie schon vollkommen hinüber“, rief er über die Schulter zurück, während wir uns durch die Menge nach draußen kämpften.

Vor dem E! atmete ich tief durch. Obwohl die Tanzfläche unter freiem Himmel lag, war durch den künstlichen Nebel die Luft nicht die beste gewesen.
„Also welcher meiner Verwandten hat das Zeitliche gesegnet?“, fragte Lex mit ironischem Lächeln.
„Ein Onkel von dir, zum Glück ist er noch sehr lebendig. Er will nur sichergehen, dass du seines Erbes auch würdig bist. Allerdings heißt du nach seinen Angaben Thorsten Hermes.“
„Schade, dann hast du den Falschen gefunden.“ Lex drehte sich um und strebte dem Eingang zu. Mit einem Sprung war ich an seiner Seite, packte seinen Arm und versuchte ihn aufzuhalten. Ich hätte ebenso gut an einem Felsen rütteln können. Stahlharte Muskeln spannten sich unter meinem Griff, sonst geschah nichts. Lex ging weiter auf den Club zu, als würde ich nicht wie eine Klette an seinem Arm hängen.
„Bleib stehen“, japste ich.
„Schatz, ich weiß, du liebst mich noch immer, aber das geht zu weit.“ Mit einem Grinsen wandte er sich mir zu und wischte meine Hand weg.
Ohne es bewusst zu wollen, knallte eben diese Hand in sein Gesicht.
„Hey, was soll das?“
„Die hätte ich dir schon vor zwei Jahren geben sollen.“
„Du spinnst doch!“ Lex schüttelte den Kopf und trat ein paar Schritte zurück. „Ihr Weiber habt alle einen Knall.“ Als sollte ein Echo seine Worte begleiten, hallte ein solcher durch die Luft.
Ein Knall. Von einem Schuss.
Bevor ich reagieren konnte, lag ich auch schon auf dem Boden. Mit dem Gesicht voran. Lex lag quer über meinem Rücken und drückte meinen Kopf nach unten.
„Bleib liegen, verdammt noch mal!“, raunte er in mein Ohr, als ich versuchte mich freizukämpfen.
„Wieso?“
„Hier ballert jemand herum. Mensch, Jana, kapierst du denn gar nichts? Bleib hier.“ Mit diesem letzten Kommando robbte er von mir herunter.
Wenn der Mann glaubte, ich würde alleine im Dreck liegen bleiben, während ein Irrer durch die Gegend ballerte, hatte er sich getäuscht.

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