Welttag des Buches – Leseprobe

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Ich freue mich sehr bei der Aktion „Welttag des Buches“ dabei zu sein. Mein Beitrag ist eine Leseprobe aus „Magie, Liebe und Desaster“ Teil 1 meines Krimi-Serials „Liebe und Desaster“.

Natürlich könnt ihr auch etwas gewinnen. Unter allen Teilnehmern der Schnitzeljadt, die alle 21 Fragen richtig beantwortet haben wird ein Buchpaket verlost. Am Ende der Leseprobe findet ihr eine Frage, die zu unserer Schnitzeljagd gehört. Sendet die -hoffentlich richtige- Antwort an welttag_des_buches@web.de mit dem Betreff: Welttag des Buches 04.04.2013. Diejenigen, die nur heute an der Aktion teilnehmen, können auch gewinnen. Unter allen richtigen Antworten, die auf diese Frage gegeben werden verlosen wir ein ebook von „Dämonenfluch“.

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Mein Auftritt hätte unauffälliger nicht sein können. Mit einem lauten „Huch“, einem Satz nach hinten und einem Stapel Kopierpapier, der langsam, aber sicher zu Boden glitt, begrüßte mich die Sekretärin meiner Schwester. Ich gebe es zu: Ich sah möglicherweise ein wenig seltsam aus. Es war Hochsommer und ich trug etwas, das wie eine Kreuzung zwischen einer missratenen Soutane und einem Wintermantel aussah.
Mit kalkweißem Gesicht lehnte Frau Meisel, so hieß die Sekretärin meiner Schwester, an der Wand und hauchte: „Haben sie mich erschreckt Frau Weiss. Ich habe sie ja gar nicht erkannt.“
Immerhin dachte sie nicht spontan an mich, wenn sie jemanden in solcher Kleidung herumlaufen sah. Eigentlich hatte ich gehofft, mich unauffällig an ihr vorbei in das Büro von Irene, meiner Schwester, schleichen zu können. Aber die arbeitsame Frau Meisel war zu einer Zeit an ihrem Arbeitsplatz, zu der sie in einem Salat pickend in der Kantine hätte sein sollen.
Das war Pech, denn Irene hatte von mir verlangt, dass ich unsichtbar kommen sollte. Zumindest glaubte ich, so etwas vernommen zu haben, ganz sicher war ich mir im Nachhinein nicht mehr. Irene hatte mitten in der Nacht angerufen, mich aus dem Schlaf gerissen und etwas von wichtig, unbedingt schnellstens nach Frankfurt kommen und unsichtbar gefaselt. Oder war es umsichtig gewesen? Oder vorsichtig? Niemand konnte von mir erwarten, am frühen Morgen um 10.00 Uhr, einen klaren Gedanken zu fassen. Nicht einmal meine Schwester mit ihrem dringenden Notfall. Mittlerweile hatte ich drei Stunden Autofahrt hinter mir. Kein Vergnügen, wenn man ein Auto fährt, wie ich eins hatte. Noch weniger Vergnügen, wenn man gerade aufgestanden war und noch nicht gefrühstückt hatte. Was mich daran erinnerte, dass ich hungrig war. Frau Meisel wusste ja nun, dass ich da war, also konnte sie mir auch gleich etwas zum Essen bringen. Und Kaffee, viel Kaffee!
Doch bevor ich sie darum bitten konnte, öffnete sich Irenes Bürotür. Meine Schwester streckte ihren Kopf heraus und fragte mich, wo ich denn nun bliebe und was der Lärm sollte. Frau Meisel hatte sich so weit gefasst und begann hektisch das Kopierpapier einzusammeln. Ich wollte ihr dabei helfen, wurde aber von Irene ins Büro beordert. Mit einem: „Frau Meisel, bitte bringen sie meiner Schwester einen Kaffee, wenn sie hier fertig sind“, wollte sie die Tür schließen. Ich schaffte es glücklicherweise noch: „Und bitte ein paar belegte Brötchen“, zu rufen, bevor wir allein waren.
Wir setzten uns. Meine Schwester musterte mich irritiert.
„Wie siehst du denn aus?“
„Ich sollte möglichst unsichtbar kommen, hast du gesagt“, erwiderte ich, ganz die trotzige, kleine Schwester.
„Unsichtbar? Wer hat was von unsichtbar gesagt?“
„Hast du nicht? Es hörte sich so an.“
Irene schüttelte ihren wohlfrisierten Kopf, was mir spontan in Erinnerung rief, dass ich zum Friseur musste. Meine „Eigenkreation“ sah mittlerweile aus wie ein wild gewordener Wischmob. Zum Glück hatte ich dunkelbraune, fast schwarze Haare, da fielen die Feinheiten eines Haarschnitts nicht so auf. Im Moment allerdings, gab es keine Feinheiten, die hätten auffallen könnten. Irene merkte wie üblich nicht, dass ich in Gedanken ganz woanders war. Mit einem Ohr hörte ich, wie sie etwas sagte. Zeit mich zu konzentrieren, also wandte ich ihr meine Aufmerksamkeit wieder zu.
„Ich möchte, dass du jemanden für mich findest. Es handelt sich dabei um den Neffen eines Mandanten.“
Meine Schwester arbeitete für die größte Frankfurter Rechtsanwaltskanzlei. Sie verdiente unverschämt viel Geld. Irenes Mandant musste ziemlich reich sein, wenn er sich ihren Stundensatz leisten konnte. Von einem ihrer Tagessätze konnte ich ohne Probleme einen ganzen Monat lang leben. Während sie mit mir sprach, läutete mindestens vier Mal das Telefon, ohne dass meine Schwester den Hörer abgehoben hätte. Als sie meinen fragenden Blick bemerkte, meinte sie nur: „Es ist auf Frau Meisel umgestellt. Ich möchte nicht gestört werden.“ Ach hätte ich doch auch eine Sekretärin! Wenn ich nicht gestört werden wollte, musste ich mein Handy ausschalten und vergaß prompt, es wieder einzuschalten. Mit dem Ergebnis, dass ich manchmal tagelang nicht erreichbar war.
Aber ich schweifte schon wieder ab. Hatte sie etwas von Finden gesagt?
„Augenblick mal. Ich soll jemanden finden?“
„Ja, das sagte ich doch gerade.“ Ähnlich wie ich, war auch meine Schwester nicht mit Geduld gesegnet.
„Ich bin kein Detektiv oder so was.“
„Das weiß ich. Aber du bist eine Hexe. Ich denke du schaust in deine Kristallkugel und findest Menschen, Katzen, Hunde oder was eben so ansteht.“
„Ich habe keine Kristallkugel! Und das letzte Mal, dass ich etwas gefunden habe, war, als ich beim Staubsaugen unter dem Teppich saugte statt nur obendrauf.“
„Sieh mal Jana, du bist die einzige Person, die ich kenne, die Zeit hat, eine Hexe ist und eigentlich irgendwie in der Lage sein sollte, Leute aufzuspüren. Außerdem brauchst du Geld.“
Da hatte sie recht, zumindest was das Geld betraf. Warum ich in der Lage sein sollte, Menschen aufzuspüren, war ein Rätsel.
„Ich könnte es mit Pendeln versuchen, aber eigentlich bin ich darin nicht besonders gut.“ Als ich das letzte Mal versucht hatte einen Gegenstand mithilfe des Pendels zu finden, dauerte es ein halbes Jahr, bis ich Erfolg hatte. Und das auch nur, weil ich umgezogen war. Aber vielleicht ging es besser, wenn man Personen damit suchte. Vielleicht wurde ich nach Stunden bezahlt?
„Meinst du nicht, du solltest es lieber mit einem Detektiv versuchen?“ Mein Anstand gebot mir, auf diese doch sehr naheliegende Lösung hinzuweisen. Innerlich aber hoffte ich, sie würde nein sagen und mir einen Stundensatz von mindestens 50 Euro vorschlagen.
„Herr Schmitt möchte keinen Detektiv einschalten. Er will auch nicht die Polizei bemühen. Es wäre ihm am liebsten wenn du es tust, denn du bist meine Schwester und mir vertraut er.“ Oh nein, er denkt, ich bin wie meine Schwester!
„Herr Schmitt? Ich soll jemanden ausfindig machen, der Schmitt heißt? Soll ich bis an mein Lebensende Telefonbücher wälzen?“
„Nein.“ Ein weiterer tiefer Seufzer. „Erstens dachte ich, du arbeitest mit deiner Intuition und zweitens heißt der Enkel von Herrn Schmitt nicht Schmitt, sondern Hermes. Thorsten Hermes ist sein voller Name.“
„Hermes, der Götterbote. Wenn er geflügelte Sandalen hat, dann sehe ich ganz schön alt aus. Warum sucht Herr Schmitt ihn denn?“
„Wegen seiner Erbschaft.“
„Oh, erbt er? Ist er noch ledig?“
Nicht, dass ich reich heiraten möchte. Schon gar nicht einen Erben.
„Ich glaube nicht, dass er dein Typ ist und du sollst ihn nicht heiraten, sondern finden. Herr Schmitt hat ihn seit 5 Jahren nicht mehr gesehen.“
„Ich dachte man erbt erst, wenn derjenige den man beerbt tot ist? Oder beerbt er nicht Herrn Schmitt?“ Mir schwirrte schon jetzt der Kopf.
„Doch, er soll Herrn Schmitt beerben, aber nur, wenn Herr Schmitt sich davon überzeugen kann, dass er des Erbes auch würdig ist.“
„Ach so, ja klar.“ Ich nickte, als wäre ich seit Jahren Anwältin für Erbrecht und wüsste genau, wovon Irene sprach. Egal, es sah aus, als hätte ich den Job. Jetzt musste ich nur noch überlegen, wie ich Thorsten Hermes finden könnte. Meinen Pendelkünsten traute ich nicht so recht.
„Gibt es irgendwelche Hinweise darauf, wo sich dieser Thorsten herumtreiben könnte?“
„Ja, möglicherweise ist er in Spanien oder Amerika. Er könnte aber auch in Afrika oder Australien sein. Vielleicht ist er aber auch hier in Frankfurt. Wenn wir wüssten, wo er ist, bräuchten wir dich nicht.“ Ein strenger Blick streifte mich. „Ich schlage vor, du fängst hier an. In Frankfurt. Vielleicht hat Thorsten noch mit einem seiner alten Freunde Kontakt.“ Meine Schwester begann, in den Akten zu wühlen, die fein säuberlich auf ihrem Schreibtisch gestapelt waren. Kurz darauf hielt sie mir einen weißen, großen Umschlag hin. „Hier sind einige Informationen: seine Hobbys, alte Freunde, Lieblingskneipen, Ex-Freundin, sein Lebenslauf und einige Bilder von ihm.“
„Was ist mit seinen Eltern?“
„Die sind schon seit Jahren tot. Herr Schmitt ist der einzige noch lebende Angehörige von Thorsten.“
Eigentlich hörte es sich gar nicht so schwer an. Ich würde als Erstes mit seinen ehemaligen Freunden anfangen. Einer von ihnen würde wissen, wo er sich herumtrieb.
„Warum hat Herr Schmitt keinen Kontakt mehr zu ihm?“
„Sie haben sich vor fünf Jahren im Streit getrennt. Seitdem hat er nie wieder etwas von Thorsten gehört.“
„Und trotz des Streites ist er würdig zu erben? Oder zumindest getestet zu werden, ob er würdig ist?“
„Sieht so aus. Anscheinend hat Thorsten vor fünf Jahren angefangen Drogen zu nehmen. Herr Schmitt möchte sicher sein, dass er damit aufgehört hat, bevor er ihn als Erben einsetzt.“
„Aha. Dann fange ich am besten gleich an.“
„Gute Idee. Möchtest du nicht wissen, was du verdienst bei der ganzen Sache?“
„Ach ja, stimmt. Hatte ich vergessen.“ Typisch!
„Ich habe mit Herrn Schmitt 60 Euro pro Stunde ausgemacht. Ist das in Ordnung? Plus Spesen natürlich.“
„60 Euro? Ja, ok, das ist … gut.“ Ich bemühte mich, mir meine Begeisterung nicht anmerken zu lassen. Noch nie hatte ich so viel Geld in einer Stunde verdient. Ich sollte öfter für meine Schwester arbeiten.
„Übernachten kannst du natürlich in der Kanzleiwohnung. Wie immer“, sagte sie und reichte mir die Schlüssel.

Die Tür öffnete sich. Frau Meisel, gesegnet sei sie, trat mit einem riesigen Tablett ein. Es stapelten sich belegte Brötchen, Kaffee und zwei kleine Salate darauf. Die Frau wusste, was man nach drei Stunden Autobahn am nötigsten hatte.
Mit vollen Backen kauend, öffnete ich das Kuvert, das mir Irene zuvor gereicht hatte. Es wurde Zeit, dass ich mir den Burschen einmal anschaute. Als ich das Foto in den Händen hielt, wäre ich beinahe an meinem Brötchen erstickt. Der blonde Sunnyboy, der mir entgegenblickte, war mir bekannt. Nur hieß er damals nicht Thorsten und hatte schwarze Haare gehabt. Davon abgesehen, sah der Typ genauso wie mein Ex- Ex-Ex-Freund aus.
„Und er heißt wirklich Thorsten?“ Dank der vollen Backen fiel meine piepsige Stimme nicht auf.
„Ja. Warum?“
„Ach nichts, er erinnert mich nur an jemand.“
Ich beschloss, vorerst noch nichts zu sagen. Irene hielt nicht viel von meinem Geschmack, was Männer betraf. Ich meist im Nachhinein auch nicht. Vielleicht hatte ich mich getäuscht. Vielleicht sah dieser Thorsten meinem Ex einfach nur ähnlich.

Frage: Welchen Auftrag soll Jana Weiss für ihre Schwester ausführen?

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