Leseprobe: Teil 2 des Dämonenfluch-Serials „Das Siegel des Salomo“

Kapitel 1

„Nur für diese Nacht. Dann werde ich für immer aus deinem Leben verschwinden.“ In Sariels Worten schwang ein bittender Unterton mit. Sie stand in der Mitte der großen Halle seines Adlerhorstes. Genau wie er vermutet hatte, war sie hierher geflüchtet, nachdem er sie aus den Fängen ihres Onkels befreit hatte. Torsten Halder. Der Name sandte Hass durch seine Gedanken. Der Mann hatte vor wenigen Minuten versucht seine eigene Nichte zu töten. Und nicht nur das, auch Alexander hätte nach dem Willen des Bankers sterben sollen.

„Natürlich. Du kannst bleiben so lange du möchtest. Sei mein Gast“, trotz der Gefühle die in ihm tobten versuchte er möglichst neutral zu klingen. Sariel hatte in dieser Nacht genug durchgemacht. Über ihren Onkel konnten sie morgen noch reden.

„Ich danke dir. Und jetzt … entschuldige mich. Ich bin müde. Sehr, sehr müde. Gute Nacht.“ Mit einem sanften Klicken schloss sich die Tür hinter Sariel. Sie hatte sich in ihr Zimmer zurückgezogen, in den Raum, den er seit der letzten Nacht als ihren betrachtete. Sie ist in Sicherheit, nur das zählt, versuchte er seine aufkeimende Sorge zu beruhigen. Vorsichtig tastend sandte er seine Sinne aus, um zu ergründen wie es ihr ging. Ihre Auflösung in Rauch und das Materialisieren in seinem Adlerhorst mussten sie erschöpft haben, vor allem nachdem Halder sie mit seinem Gift schwächte.

Da, ihr Energiefeld pulsierte schwach, ein dunkler Schatten lag darüber. Nicht dunkel genug, um sie ernsthaft zu gefährden, aber doch stark genug, um sie zu ermüden. Sariel schlief. Aber es war sicher kein erholsamer Schlaf, der dunkle Schatten, der an ihrem Energiefeld zehrte, musste Albträume verursachen! Trotzdem war Alexander erleichtert. Der Banker hatte es nicht geschafft Sariel etwas von dem weitaus stärkeren Gift zu injizieren das er in der Spritze aufzog. Das war mehr, als Alexander zu hoffen gewagt hatte.

*********************

Ihr Onkel.

Gefahr! Eine Spritze, die auf die glatte Oberfläche ihrer Haut gesetzt wurde.

Mit einem Schrei wachte Sariel auf. Licht durchflutete den Raum, in dem sie sich befand. Der Adlerhorst! Sie war in Sicherheit. Der Gedanke hüllte sie ein wie eine warme Decke, die kurz darauf weggerissen wurde. Worte wirbelten durch ihren Kopf.

„Du wirst in das wohltätige Reich des Todes und des Vergessens gleiten.“

Wie eine Schlange glitt dieser Satz durch ihren Kopf. Dabei konnte er nicht wahr sein. Ihr Onkel würde so etwas niemals tun. Zugegeben, er war gestern seltsam gewesen. Hatte ihr das Gefühl vermittelt, er wolle ihr schaden. Dieser Satz aber musste einem der vielen Albträume entsprungen sein, die sie in dieser Nacht geplagt hatten.

Trotz dieser Überlegung fühlte sie sich unbehaglich. Sie hatte Angst, dabei war sie hier in Sicherheit. Sie kehrte in den Adlerhorst zurück weil ihr Onkel eine schwierige Zeit durchmachte. Offensichtlich hatte ihn ihre Weigerung Betriebswirtschaftslehre zu studieren tief enttäuscht. Sie würde ihm Zeit geben. Seit dem Tod ihrer Eltern war Torsten Halder die einzige Familie, die sie hatte. Sie wollte nicht, dass ihr Verhältnis zu ihm dauerhaften Schaden nahm. Trotzdem würde sie nach Paris ziehen, aber, wenn ein wenig Zeit vergangen war, würde sie den Kontakt wieder aufnehmen, in der Hoffnung er habe ihr verziehen. Und wenn nicht … Mit einem Kopfschütteln verscheuchte sie diesen Gedanken. Darum würde sie sich kümmern, wenn es tatsächlich dazu kam.

In diese Gedanken versunken stand Sariel auf, wusch sich und kleidete sich an. Etwas optimistischer gestimmt öffnete sie ihre Zimmertür und betrat den Wohnraum des Adlerhorstes. Wieder zog die grandiose Aussicht der Panoramafenster sie in ihren Bann. Wie hypnotisiert ging sie auf die Glasfront zu, bis sie dicht davor stand. Direkt unter ihren Füßen tat sich der Abgrund auf. Vor ihr erstreckten sich die weißen Gipfel der Berge.

„Guten Morgen. Ich hoffe du hast gut geschlafen.“

Alexander. Wie immer kündigte kein Geräusch sein Nahen an.

„Ja. Danke. Vor allem dafür, dass ich diese Nacht hier verbringen durfte.“  Plötzlich wurde sie sich der Bedeutung ihrer Worte bewusst. Ihre Wangen wurden heiß. „Also, ich meine … nicht mit dir … sondern hier … ähm …“

Alexander verschränkte die Arme vor der Brust und lächelte. Ihre Unsicherheit amüsierte ihn offensichtlich. Sariel hingegen kam sich wie der letzte Trottel vor.

„ … so war das auch nicht gemeint“, plapperte sie hastig weiter. „Nicht, dass ich nicht gerne auch mit dir …oh!“ Nun fühlte sich ihr Gesicht an, als würde es in Flammen stehen. „Vergiss es!“, sagte sie rasch, drehte sich auf dem Absatz um und stürmte ins Zimmer zurück. Mit geschlossenen Augen lehnte sie gegen die Tür. Wie hatte sie sich nur so blöd benehmen können?“ Ein Klopfen riss sie aus ihren Gedanken.

Sie öffnete die Tür einen Spalt weit.

„Was ist?“, fragte sie unwirsch um ihre Verwirrung zu überspielen. Alexander stand vor ihr. Seine Miene verriet nichts von seinen Gefühlen, vielleicht hatte sie es sich nur eingebildet und er hatte sich nicht über sie lustig gemacht.

„Ich wollte nur wissen, wie es dir geht.“

„Wie es mir geht?“ Was meinte er damit? Wollte er herausfinden, ob sie in ihn … Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als sie sich bewusst wurde, dass er sie besorgt musterte. Erst jetzt fiel ihr ein, dass er auf den gestrigen Abend anspielte. Wieder wurde sie rot. Sie war ein solcher Idiot!

Gut, wirklich“, murmelte sie. Ohne zu antworten, sah Alexander sie an, fast so, als würde er darauf warten, dass sie die Wahrheit sagte.

„Ich fühle mich nur ein wenig, kraftlos. Das ist alles“, setzte sie hinzu.

„Die letzte Nacht war nicht einfach für dich.“

„Ja.“ Mit einem Seufzer fuhr sie sich durch die Haare. „Ich kann mich an fast nichts erinnern. Nur daran, dass mein Onkel seltsam war. Ich glaube er ist noch immer wütend weil ich Kunstgeschichte statt Betriebswirtschaftslehre studieren möchte.“

„Das ist alles? An mehr erinnerst du dich nicht?“

„Mir war schlecht, glaube ich. Und dann warst plötzlich du in dem Arbeitszimmer meines Onkels. Danach wird alles verschwommen und ich erinnere mich nur noch daran, dass wir uns gestern Nacht hier materialisierten. Ich glaube, ich bin hierher gekommen, weil er noch immer wütend auf mich ist.“ Sariel schüttelte den Kopf. „Es tut mir leid, dass ich deine Gastfreundschaft schon wieder in Anspruch nehme. Ich werde heute noch nach Paris reisen, dann bist du von mir erlöst.“

Alexander hob abwehrend die Hände. „Bleibe so lange wie du willst. Es ist mir ein Vergnügen dich als Gast zu haben. Hier ist es sonst eher … einsam.“

„Ich dachte du liebst die Einsamkeit.“ Mit einer Geste wies Sariel auf die Fensterfront, die die einsame Bergwelt hinter ihr zeigte. „Wenn du hier lebst, musst du gerne allein sein.“

„Nicht immer. Du musst hungrig sein“, stellte Alexander fest, bevor sie etwas auf seine Bemerkung erwidern konnte.

„Bitte, mache dir meinetwegen keine Umstände. Ich habe schon viel zu lange …“

„Unsinn. Du tust mir einen Gefallen, wenn du mir Gesellschaft leistest. Wie gesagt, ich habe nur selten Besuch hier oben. Wenn du dich für meine Gastfreundschaft revanchieren möchtest, dann bleib.“

„Danke.“ Alexander drehte sich um und ging ihr voran in die Küche. Sariel zögerte. Am liebsten hätte sie sich in ihrem Zimmer verkrochen. Sie hatte sich schon genug zum Narren gemacht. Andererseits wäre es unhöflich, nachdem sie zugestimmt hatte. Ach verflixt. Mit einem Seufzen schloss sie die Tür hinter sich und folgte Alexander.

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