Schraubst du noch, oder verzweifelst du schon?

Verdammt kalt! Ich warf einen vorsichtigen Blick zu meinem Mann hinüber. Seiner Miene nach zu urteilen war er genauso wenig erfreut wie ich darüber, seit einer halben Stunde an der Möbelausgabe zu stehen.

Eigentlich hatte ich gedacht der Laden würde den roten Teppich für uns ausrollen, nachdem ich ein halbes Vermögen dort gelassen hatte. Weit gefehlt. Nicht nur, dass ein Liefertermin für die Möbel erst in fünf Monaten zu bekommen war. Nein, wenn man die Sachen selbst abholte hatte man außerdem das Vergnügen bei zwei Lagern vorbeifahren zu dürfen.

Wir befanden uns gerade bei Lager Nummer Eins. Man musste kein Hellseher sein, um zu wissen, es würde ein langer Abend werden.

Die Temperaturen sanken fast genauso schnell wie unsere Laune. Dann endlich bewegte sich ein hoch beladener Wagen auf uns zu. Die zwei Männer, die ihn schoben, waren fast nicht zu sehen. Verdammt! Das Zeug würden wir niemals auf einmal in den Kleinbus bekommen. Niemals.

Als ich Markus versicherte, dass der Kleinbus reichen würde, um alles nach Hause zu transportieren hatte ich die Möbelpakete vor Augen gehabt, die man bei IKEA bekommt. Die schaffen es selbst einen sechs Quadratmeter großen Kleiderschrank so zu zerlegen, dass man ihn in einem Ford Fiesta transportieren kann. Nicht so XXXL. Der Name war Programm.

Markus stöhnte. Ich konnte es ihm nicht verdenken. Ich wollte mittlerweile nur noch nach Hause und vergessen jemals etwas gekauft zu haben. Aber es half nichts. Nach einer gefühlten Stunde waren wir endlich soweit die erste Fuhre mitnehmen zu können. Schweigend machten wir uns auf den Weg.

Wir luden alles zu Hause ab und fuhren wieder zurück. Es kam mir vor, als sei es mitten in der Nacht, als wir endlich alles abgeladen und im Haus verteilt hatten. Überall standen mit einem Mal Möbelstücke im Weg. Ich fühlte mich wie in einem Labyrinth. Außerdem packte mich eine unterschwellige Panik, ich war mir nicht sicher, ob diese Sachen wirklich hier herein passten. Wenn ich Pech hatte würde es bald aussehen, als habe ich irgendwelche Möbel wahllos gekauft und in den Räumen verteilt. Warum hatte ich das Ganze nicht besser überlegt?

Zum Glück mussten wir nur den Schrank selbst zusammenbauen. Hätte mich mein Kaufrausch bei IKEA überfallen würden wir wohl die nächsten Jahre damit verbringen alles aufzustellen.

So aber war es nur ein Schrank … dessen Montage zwei Nachmittage in Anspruch nahm.

Eine Woche später war fast alles perfekt. Für die meisten Möbel hatten wir einen guten Platz gefunden und ich entspannte mich ein wenig. Meinen Schwur nie wieder dem Kaufrausch zu verfallen hatte ich auch schon vergessen. Immerhin brauchen wir noch zwei Sessel. Ein Kinderspiel, die werde ich gleich nächste Woche … oder vielleicht auch erst im neuen Jahr besorgen.

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