Kaufrausch

Kennen Sie das? Den Kaufrausch, der viele Frauen packt, sobald sie ein Geschäft betreten? Es soll Frauen geben, die diesem Impuls widerstehen können. Ich gehöre nicht dazu. Leider.

Zum Glück erliege ich diesem Geisteszustand nicht allzu oft. Aber letzte Woche war es soweit. Anfangs war ich noch zu logischen Denkfolgen fähig: ich entschied mich gegen den Besuch bei Media Markt weil ein Fernseher mir zu teuer schien.

Wäre ich doch bloß gegangen.

Stattdessen entschied ich mich für ein Möbelgeschäft. Warum nur hielt ich es für eine gute Idee ausgerechnet das größte Geschäft in der Umgebung zu besuchen? Ok, wir brauchen noch ein paar Regale, Sessel und einen Kleiderschrank. Aber trotzdem. Diese Ausgaben hatte ich gedanklich bereits auf das neue Jahr verschoben.

Eigentlich wollte ich mich nur umsehen.

Stattdessen wurde es meine bisher teuerste Kaufrauschexpedition … Wenn man von der im letzten Jahr absieht, die in dem Kauf meines neuen Autos resultierte. Aber das ist lange her.

Dieses Mal war es ein Weinschrank. Das Letzte was wir benötigen.

Noch dazu war das verflixte Ding teuer. Dafür aber sah es genauso aus, wie ich mir ein besonders schönes Möbelstück für unser Haus vorgestellt hatte. Ein Schmuckstück sozusagen. Klar, dass ein solches seinen Preis hat.

Meine Augen hatten kaum den schwarz lackierten, handbemalten Schrank erblickt, als auch schon sämtliche logischen Denkvorgänge beendet wurden. In meinem Kopf herrschte nur noch ein Gedanke: ich wollte diesen Schrank!

Da ich schon einmal dabei war, kaufte ich auch gleich noch den passenden Couchtisch und eine Kommode.

Vierundzwanzig Stunden später setzten normale Denkprozesse ein.

Wir brauchen keinen Weinschrank. Schon gar nicht einen, für den wir den wir größten Teil unseres Hauses neu möblieren können.

Ich habe keine Ahnung wo ich das Ding hinstellen soll.

Halt das Lesezimmer! Vor meinem inneren Auge erscheint ein Bild wie wir in kalten Winternächten dort sitzen, an unserem Rotwein nippen, im Kamin ein prasselndes Feuer. Dumm nur, dass es in unserem Lesezimmer keinen Kamin gibt, aber das macht nichts. Der Weinschrank allein wird für eine kuschelige Atmosphäre sorgen. Sobald wir ein Lesezimmer haben … aber das wird nicht mehr lange dauern, ich brauche nur noch die Regale und die gemütlichen Sessel. Dann ist es perfekt.

Leise Zweifel packen mich, aber ich verdränge sie rasch in den Hintergrund meines Bewusstseins. Ich wollte schon immer eine schwarz lackierte Anrichte im japanischen Stil. Etwas Ausgefallenes, Schönes das ein wenig mehr kosten darf. Ok, der Weinschrank ist weder aus Japan, noch im Stil japanischer Antiquitäten, aber er ist schön.

Und es hat Spaß gemacht Einkaufen zu gehen, als würde Geld keine Rolle spielen. Genau. Wenn man von den Gewissensbissen absieht, die ich seit diesem Kauf habe, war es toll. Ich würde es jederzeit wieder tun, vorausgesetzt ich verkaufe mindestens 20.000 Exemplare meines neuen Romans … Was laut der aktuellen Statistik nur etwa 100 Jahre dauern wird.

Nachdenklich betrachte ich das Foto, das ich von dem Schrank gemacht habe. Mit einem Mal gefällt er mir nicht mehr so gut. Die Bemalung erscheint mir aufdringlich, übertrieben … Meine gute Laune verpufft, denn mittlerweile bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass ich lieber Sitzmöbel, Regale und einen Kleiderschrank hätte.

Wie bekomme ich das Teil wieder los? Schließlich habe ich nicht bei H&M eingekauft wo ich nach ein paar Tagen ungewollte Kleidungsstücke problemlos umtauschen kann. Und richtig. Einen Telefonanruf später und um einige Schattierungen blasser, ist mir klar, dass dieser Kauf ein Fehler war. Ich kann nicht einfach davon zurücktreten, oder, falls ich es doch tue wird das Möbelhaus fünfundzwanzig Prozent des Kaufpreises einbehalten.

Das einzige was ich tun kann, ist etwas anderes stattdessen kaufen.

Gott sein Dank!

Jetzt haben wir eine Menge Möbel: zwei Regale, zwei Sessel, einen Kleiderschrank und einen Couchtisch.

Vielleicht ist so ein Kaufrausch doch nicht so schlecht.

Ähnliche Erfahrungen oder Erlebnisse von denen ihr berichten wollt? Würde mich freuen 🙂

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4 Antworten zu Kaufrausch

  1. sylviamdoelger schreibt:

    Köstlich, Birgit! Ich glaube, du hast einiges mit Lauren gemeinsam. Wie auch immer. Ich habe mich gut amüsiert, auch beim Lesen deines Buches und wünsche dir, dass du mindestens 20.000 davon verkaufst. Liebe Grüße, Sylvia

  2. Pingback: Anti-Kaufrausch | Birgit Kluger

  3. Pingback: Schraubst du noch, oder verzweifelst du schon? | Birgit Kluger

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